GESCHICHTE
Um Brot für ihre fünf Kinder zu haben bewirtschafteten Pietro Falcini und seine Frau Irene bis 1955 den kahlen, trockenen und mageren Boden des Collevecchio, wobei sie weit über ihre physische Kraft hinausgingen. Aus diesem Grund verließ die Familie Falcini, wie alle anderen, den Collevecchio. Aus dieser Zeit existiert noch ein Palast aus dem 18. Jahrhundert, der nach dem Erdbeben 1984 restauriert wurde. Neben dem Palast befindet sich eine Kapelle zu Ehren der Maria SS. Addolorata. Zwei weitere Gebäude beherbergen die Eigentümer, jedoch nur während der Sommerferien. Es gibt noch zwei weitere verlassene Landhäuser, denen die Zeit stark zusetzt.Neben dem Palast liegen einige Räume eines alten Bauernhauses und einige Meter weiter ein altes Gebäude, das als Heuspeicher bestimmt war und das architektonische Züge besitzt, die an das altertümliche Oratorium von Maria Santissima Addolorata denken lassen.Dieses ehemalige Oratorium und die an den Palast aus dem 18. Jahrhundert angrenzenden Bauwerke gehören heute dem Commendator Antonio Falcini. Nachdem sie den Collevecchio verlassen hatte, konnte die Familie Falcini aufgrund ihres offenen und heiteren Charakters schnell in der Stadt Fuß fassen.
Kurze Zeit später übersiedelten die beiden Brüder Vincenzo und Antonio nacheinander nach Turin und gründeten den "Betrieb Falcini Viaggi". Trotz des kontinuierlichen Geschäfts verblieb den Brüdern die Nostalgie nach einem zwar nicht vermögenden, jedoch gelassenen und hoffnungsvollen Leben im Herzen verankert.Diese Nostalgie bzw. ihre Wurzeln trieb die Brüder zum erneuten Umzug zu den trockenen und kahlen Hügeln von Collevecchio. Im November 1981 gab die Geburt des Sohnes Simone dem Paar Falcini Antonio und Mariella Mignacco die Hoffnung auf eine glückliche Zukunft dieser Familie.
Im selben Jahr führte Antonio ein Gefühl zum Collevecchio. Er fuhr mit dem Auto hinauf und nach einigen Metern zu Fuß war am Ort seiner Geburt angekommen. Wieder einmal genoss er das wundervolle Panorama und überdachte auf dieser herrlichen Terrasse des umbrischen Alto Tevere seine Situation. Er erinnerte sich an die Stimme seines Vaters, als dieser ihm, am Tag an dem er den Collevecchio verließ und nach Città di Castello ging, sagte: "Wir, wie die meisten Menschen, sind nicht für die Stadt, sondern für das Land geschaffen.Der Boden ist unsere Mutter und wenn dir die Mutter fehlt, kannst du nicht vollkommen glücklich werden.Manchmal leidet man stark, aber die Schuld daran liegt nicht am Land... Der Mensch muss es erkennen, wie man zusammen mit der Natur glücklich leben kann... Die Natur vervollständigt den Mensch und der Mensch die Natur."Durch diese Worte beseelt, fasste Antonio den Beschluss, den durch seinen Vater aufgezeichneten Weg zu beschreiten.
Unter großen Entbehrungen kaufte er die angrenzenden Böden und die kleinen Täler:zusammen waren es ca. 54 Hektar. 1984 begann er mit den Verbesserungsarbeiten. Zuerst besserte er die alten Strassen aus, die zu den Feldern führten und an dessen Seiten heute ca. 7000 Pflanzen stehen (von der Kiefer bis zur Zypresse, vom Nussbaum bis zum Kirschbaum). Sie verleihen der Landschaft ein weicheres und gemütlicheres Aussehen.Eine der anspruchvollsten Arbeiten war die Wiederinstandsetzung der alten Olivenbäume: Diese wurden sorgfältig zurechtgestutzt. Zusätzlich zu den alten Bäumen wurden mehr als 6000 neue Bäume gepflanzt.
Weiter unten im Tal steht ein altes Bauernhaus (Ranco de Luca) und nebenan eine alte Tenne, in der noch bis 1992 mit einer antiken Dreschmaschine und einem "Landini testa calda (altes Traktormodell)" gedroschen wurde.Diese Maschinen können noch heute auf dem Landgut Collevecchio betrachtet werden. Sie erinnern an Methoden und Arbeitsweisen einer vergangenen, aber noch nicht vergessenen Zeit und sind Zeichen und Tradition unseres Umbriens. Heute ist die Azienda Agricola Antonio und Mariella Falcini eine moderne Realität geworden, die jedoch zur selben Zeit reich an Folklore, Geschichte, Gebräuchen und Vermächtnissen ist. Dies alles ist nicht nur das Verdienst der Eigentümer, sondern hauptsächlich derjenigen, die dort arbeiten (Arbeiter, Bauern, Elektriker, Hydrauliker, Maurer, Techniker usw.) und ihren Einsatz, ihre Professionalität, ihre Leidenschaft und ihr Herz einer stetig wachsenden Aktivität verschreiben, die stets bemüht ist, sich selbst zu übertreffen. Diese kurze Einführung in die Geschichte des Collevecchio soll eine angenehme Möglichkeit sein, sich erstmaligst oder erneut einer Epoche zu nähern, die zwar geschichtlich abgeschlossen ist, jedoch kulturell erneut mit Respekt und großer Zuneigung beleuchtet werden sollte. In ihr sind alle Werte und Gefühle vertreten, die unser Herz noch zu berühren weiß. Eine Epoche, die eine ausgewogene Beziehung zur Natur bewirkte, die sich heute in Schönheit und in Lebensglück verwandelt. Jeder Besuch dieses Landgutes sollte die Möglichkeit bieten, die langsamen und ewig geltenden Erschaffenszyklen zu empfinden, die uns wieder Mensch werden lassen.
Entnommen aus "Collevecchio heute und gestern" von Don Torquato Sergenti.
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